Brüssel (OTS) – Wie gelingt der Dialog zwischen Landwirtschaft und
Umwelt? Wie lassen
sich daraus gemeinsame Positionen für die Zukunft der Gemeinsamen
Agrarpolitik entwickeln? Diesen Fragen widmete sich die
Podiumsdiskussion „Talk or Lose? Dialog führen & Positionen stärken“
am 24. September in der Ständigen Vertretung Österreichs der
Europäischen Union in Brüssel. Die Veranstaltung wurde vom
Ökosozialen Forum Österreich & Europa gemeinsam mit der
Landwirtschaftskammer Österreich und dem Europäischen Umweltbüro
durchgeführt. Erklärtes Ziel der Veranstalter war, Landwirtschaft und
Umwelt als Partner bei der Gestaltung der künftigen Gemeinsamen
Agrarpolitik zusammenzubringen und die Vorreiterrolle des
Österreichischen Agrarumweltprogramms (ÖPUL) in puncto Nachhaltigkeit
zu beleuchten.
Zwtl.: Werner: GAP muss unterschiedliche Anforderungen verbinden
Elisabeth Werner, Generaldirektorin für Landwirtschaft und
ländliche Entwicklung (GD AGRI) der Europäischen Kommission,
skizzierte die Herausforderungen in der künftigen Ausgestaltung der
Gemeinsamen Agrarpolitik: „Die europäische Agrarpolitik muss
unterschiedliche Anforderungen gleichzeitig berücksichtigen:
Resilienz, Nachhaltigkeit und Innovation stehen im Zentrum unserer
Vision für Landwirtschaft und Ernährung, für einen zukunftssicheren
Agrar- und Lebensmittelsektor.“
Zwtl.: Ceyssens: Landwirtschaft und Umweltpolitik frühzeitig
zusammenbringen
Jan Ceyssens, stellvertretender Kabinettschef für Umweltpolitik
der Europäischen Kommission, stellte die umweltpolitischen Ziele der
Kommission dar: „Landwirtschaft und Umweltpolitik treffen bei vielen
zentralen Herausforderungen unmittelbar aufeinander – von
Biodiversität über Wasser und Bodengesundheit bis zur Anpassung an
den Klimawandel. Je früher beide Perspektiven bei der Entwicklung
politischer Instrumente zusammengeführt werden, desto besser können
ökologische Zielsetzungen und die praktische Umsetzung aufeinander
abgestimmt werden.“
Zwtl.: Mayrhofer: „Das große Ganze in den Mittelpunkt stellen“
Für Hans Mayrhofer, Generalsekretär des Ökosozialen Forums
Österreich & Europa, ist dieser Ansatz zentral für die Ökosoziale
Marktwirtschaft: „Wenn wir bei Landwirtschaft und Umwelt nur auf die
tagespolitischen Konflikte schauen, verlieren wir schnell das große
Ganze aus den Augen. Die Ökosoziale Marktwirtschaft bedeutet,
wirtschaftliche Tragfähigkeit, ökologische Verantwortung und soziale
Auswirkungen gemeinsam zu berücksichtigen. Das ÖPUL zeigt
beispielhaft, dass Interessenausgleich in konkrete, praxistaugliche
Instrumente übersetzt werden kann. Diese Erfahrung sollten wir auch
in die Diskussion über die künftige Gemeinsame Agrarpolitik
einbringen.“
Gerade dieser Blick über einzelne Streitfragen hinaus sei
notwendig. Unterschiedliche Interessen verschwinden nicht dadurch,
dass man miteinander spricht. Der Dialog schafft aber die
Voraussetzung dafür, Argumente abzuwägen, Zielkonflikte offen zu
benennen und jene Bereiche zu identifizieren, in denen gemeinsame
Lösungen möglich sind.
Zwtl.: Berlakovich: Umweltleistungen und wirtschaftliche
Tragfähigkeit zusammendenken
Nikolaus Berlakovich, Vizepräsident des Europäischen
Bauernverbands Copa, vertrat die landwirtschaftliche Perspektive auf
dem Podium: „Landwirtschaft ist auf gesunde Böden, verfügbares Wasser
und funktionierende Ökosysteme angewiesen. Gleichzeitig müssen die
Betriebe wirtschaftlich arbeiten und Lebensmittel produzieren können.
Wenn Landwirtinnen und Landwirte zusätzliche Umweltleistungen
erbringen, braucht es dafür verlässliche Rahmenbedingungen und eine
angemessene Abgeltung. Das ÖPUL zeigt, wie solche Leistungen
gemeinsam mit der landwirtschaftlichen Praxis umgesetzt werden
können. Dieser Geist muss sich auch in der neuen GAP widerspiegeln.“
Mit dem österreichischen Agrarumweltprogramm wurden 2024 rund 1,8
Millionen Hektar und damit rund 82 Prozent der landwirtschaftlich
genutzten Fläche ohne Almen besonders umweltfreundlich
bewirtschaftet.
Zwtl.: Heidegger: Gemeinsame Ziele in wirksame Maßnahmen übersetzen
Die umweltpolitische Perspektive brachte Patrizia Heidegger,
stellvertretende Generalsekretärin des European Environmental Bureau,
in die Diskussion ein: „Bei Biodiversität, Boden, Wasser und
Klimaanpassung gibt es viele Bereiche, in denen Landwirtschaft und
Umweltschutz auf dieselben natürlichen Grundlagen angewiesen sind.
Entscheidend ist, gemeinsame Ziele in wirksame Maßnahmen zu
übersetzen und unterschiedliche Sichtweisen bereits bei deren
Entwicklung einzubeziehen. Nur so können Lösungen entstehen, die
ökologische Wirkung entfalten und in der Praxis Bestand haben.“
Das ÖPUL bietet auch dafür konkrete Anschauungsbeispiele. So
wurden die Vorgaben für Biodiversitätsflächen gemeinsam mit
Landwirtschafts- und Naturschutzexpert:innen entwickelt und für
unterschiedliche Bewirtschaftungsvarianten ausgestaltet.
Zwtl.: Unterschiedliche Positionen sind Ausgangspunkt, nicht
Hindernis
Neben Berlakovich, Heidegger, Werner und Ceyssens diskutierten
Felix Mittermayer, leitender Mitarbeiter im Sekretariat des
Ausschusses für Landwirtschaft und ländliche Entwicklung des
Europäischen Parlaments, und Caroline Parsché, Policy Adviser für
Umweltpolitik, Gesundheit und Lebensmittelsicherheit der EVP-Fraktion
im Europäischen Parlament. Moderiert wurde die Diskussion von Verena
Scherfranz, stellvertretender Leiterin des Brüsseler Büros der
Landwirtschaftskammer Österreich.
Zwtl.: Über das Ökosoziale Forum
Das Ökosoziale Forum setzt sich für die Weiterentwicklung der
Ökosozialen Marktwirtschaft ein. Im Mittelpunkt steht der Anspruch,
wirtschaftliche Leistungsfähigkeit, ökologische Verantwortung und
sozialen Ausgleich gemeinsam zu denken und in politische
Entscheidungsprozesse einzubringen.
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