Wien (OTS) – 150 Jahre nach der Gründung des Naturhistorischen
Museums Wien
bekommt eines der edelsten und wertvollsten Exponate eine temporäre
Pop-up-Vitrine im Saal IV des Hauses, die die spannende
Objektgeschichte erläutert. Nach dem Umbau der Tresorvitrine ist der
Edelsteinstrauß durch die aktive Überwachung der Luftfeuchtigkeit
besser geschützt und erstrahlt in neuem Lichtdesign.
Der Edelsteinstrauß in seiner Vase aus Bergkristall besteht aus
einem Arrangement von 61 glitzernden Blüten und 12 funkelnden
Insekten, die aus insgesamt 2.102 Diamanten und 761 farbigen Edel-
und Schmucksteinen gefertigt sind. Die Basis bilden Draht, Seide und
Baumwolle, die Pflanzenstiele und -blätter imitieren. Präzise und mit
großer Liebe zum Detail wurden aus geschliffenen Edel- und
Schmucksteinen der Fantasie entsprungene Blüten sowie eine Reihe an
Insektenkörpern samt Flügeln und Fühlern gefasst. Das Ergebnis ist
ein 50 Zentimeter großes, einzigartiges Kunstwerk, dass nicht nur
handwerkliches Können, sondern auch die Vielfalt einer künstlerisch
interpretierten Natur darstellt.
Ein besonders zauberhaftes Tierobjekt befindet sich mittig im
obersten Teil des Bouquets: Es stellt eine Zikade dar, deren Flügel
aus Festungsachat und deren Kopf aus Augenachat gefertigt sind. Davor
sind Mundwerkzeuge aus kleinen Smaragden zu sehen, die einen
tropfenförmigen, gelben Diamanten halten, der an einen Honigtropfen
erinnert.
Selbst Johann von Goethe zeigte sich in „Aus meinem Leben.
Dichtung und Wahrheit“ vom Edelsteinstrauß schon in dessen
Entstehungsphase (Frankfurt und Wien, um 1760) beeindruckt:
„Jedermann wusste, dass Kaiser Franz eine große Neigung zu Juwelen,
besonders auch zu farbigen Steinen hege.“
Tatsächlich wurde das 2,8 Kilogramm schwere und 50 Zentimeter
hohe Blumenbouquet vom Juwelier Michael Grosser um 1760 in Wien
fertiggestellt. Glaubt man Goethe, leistete der Frankfurter Juwelier
Johann Gottfried Lautensack jedoch die Vorarbeiten dazu. Der
Überlieferung nach ließ Maria Theresia den Edelsteinstrauß als
„kleine Namenstagsüberraschung“ als Geschenk für ihren Gemahl Kaiser
Franz I. Stephan von Lothringen in dessen Mineralienkabinett stellen.
Maria Theresia unterstützte die Leidenschaft ihres Gatten für
Mineralogie und Bergbau – als eine Möglichkeit, den wirtschaftlichen
Aufschwung des Reiches zu fördern. Mit dem Edelsteinstrauß legte sie
den Grundstein zu einer der traditionsreichsten und wertvollsten
Sammlungen von Edel- und Schmucksteinen in Europa.
Nach dessen Tod 1765 wird das Objekt Teil der Sammlung der k.k.
Naturalienkabinette. Der Edelsteinstrauß erlebte im Laufe der
Jahrhunderte eine bewegte Geschichte. Neben Überlegungen zur
Veräußerung war er nicht im Museumsgebäude am Ring, sondern in den
1950er bis 1970er Jahren nach einem Erlass des Bundesministeriums für
Unterricht in der Schatzkammer in der Wiener Hofburg zu sehen.
1954 bemühte sich der Direktor des Kunsthistorischen Museums, Dr.
Ernst Heinrich Buschbeck (1889–1963), den Edelsteinstrauß als
Dauerleihgabe anlässlich der bevorstehenden Wiedereröffnung der
Schatzkammer zu gewinnen. Die Dauerleihgabe des Prunkstücks lehnte
Dr. Alfred Schiener (1906–1962), Direktor der Mineralogischen
Abteilung am NHM Wien, entschieden ab. Aus seiner Sicht war das
Objekt eine Miniaturedelsteinsammlung und mehr als ein
kunsthistorisches Exponat. Er betrachtete seine Abteilung als
legitime Nachfolge der kaiserlichen Mineraliensammlung, da Maria
Theresia den Strauß dem Hof-Naturalienkabinett zugewiesen hat, um mit
ihm „eine Sammlung geschnittener Edelsteine zu begründen“. Auf diese
deutliche Ablehnung hin folgte der Erlass des Bundesministers Dr.
Ernst Kolb (1912–1978). Er verfügt, dass der Edelsteinstrauß der
Schatzkammer als Dauerleihgabe zu überlassen ist. Am 1. Juli 1954
wird das Objekt offiziell unter „ausdrücklichstem und schärfstem
Protest“ von Alfred Schiener übergeben. Erst 1972 griff Dr. Gero
Kurat (1938–2009), damals Leiter der Mineralogisch-Petrographischen
Abteilung, das Thema auf und bemühte sich um die Rückgabe der
„Zwangsentlehnung“. Schließlich kehrte der Edelsteinstrauß nach 23
Jahren Abwesenheit wieder zurück ins Naturhistorische Museum am Maria
-Theresien-Platz. Dies wurde mit einer feierlichen Eröffnung der
neugestalteten Edelsteinsammlung und neu gebauten Tresorvitrinen am
8. November 1977 unter Anwesenheit der ersten Wissenschaftsministerin
Österreichs, Dr. Herta Firnberg (1909–1994), zelebriert.
Es verwundert nicht, dass dieses herausragende Objekt Anfang 2025
das Interesse des Vereins der Museumsfreunde geweckt hat. Als
wichtiger Förderverein der österreichischen Museumslandschaft
unterstützt er die Bewahrung außergewöhnlicher kulturhistorischer
Güter. Auf Anhieb entschied sich der Verein zur Unterstützung
wichtiger konservatorischer Maßnahmen, die den Edelsteinstrauß nicht
nur analog, sondern auch digital in die Zukunft tragen.
„Es ist uns eine Freude, dass wir als privater und unabhängiger
Verein, der seit 1912 Kunst und Kultur fördert und vermittelt, das
Naturhistorische Museum Wien bei diesem wichtigen Projekt finanziell
unterstützen konnten. Es ist ganz im Sinne der Museumsfreunde, dass
derart kunsthistorisch wertvolle Objekte wie der Edelsteinstrauß auch
für künftige Generationen erhalten bleiben“, betont Mag. Alessandra
Arseni, Geschäftsführerin des Vereins der Museumsfreunde das
Engagement ihrer Institution.
Dank der finanziellen Unterstützung optimieren nun zwei Maßnahmen
die Standortbedingungen: Ein frontales Beleuchtungskonzept bringt die
Edelsteine bei deutlich reduzierter Lichtintensität zum Funkeln und
schont dabei die Textilblätter. Zudem stabilisiert ein Klimagerät die
Luftfeuchtigkeit bei etwa 40 Prozent, was die Oxidation an
Roststellen vermindert.
Dank modernster 3D-Erfassungsmethoden der Wiener Firma geofront
e.U. hat der filigrane Edelsteinstrauß die Metamorphose in die
Moderne geschafft. In einem detaillierten Modell, das aus rund
eintausend hochauflösenden Fotografien aus verschiedenen Winkeln
erstellt wurde, können Besucher*innen ab sofort neue Details
entdecken. Begleitet wurden der Vitrinenumbau und der 3D-Scan von
einem abteilungsübergreifenden Forschungsprojekt des NHM Wien zur
Objektgeschichte. Dessen Ergebnisse sowie das 3D-Modell sind von 24.
April 2026 bis Anfang 2027 in einer temporären Vitrine in Saal IV zu
sehen.
Zwtl.: Vermittlungsprogramm zum Edelsteinstrauß
Neue Details rund um den Edelsteinstrauß I Themenführung
Victoria Kohn (Abteilung Mineralogie, NHM Wien)
Mittwoch, 20. Mai, 17.00–18.00 Uhr
Erfahren Sie die Highlights der Objektgeschichte des
Edelsteinstraußes und erleben Sie Details, die derart noch nie
gezeigt wurden! Der Edelsteinstrauß besteht aus Textilblättern mit
Seide sowie Blüten und Insekten, die aus insgesamt 2.102 Diamanten
und 761 Edel- und Schmucksteinen gefertigt sind. Darunter sind
Kostbarkeiten wie Diamant, Smaragd, Saphir, Rubin, Edelopal, Türkis
und Koralle zu entdecken. Der Edelsteinstrauß war ein Geschenk Maria
Theresias an ihren Gemahl Kaiser Franz I. Stephan von Lothringen,
einen begeisterten Mineraliensammler. Wir blicken gemeinsam auf 260
Jahre Objektgeschichte. Hier geht es zur Veranstaltung .
NHM Mini-Treff ab 3 Jahren: Kristalle
Sa–Mo, 23.–25. Mai
Sa/So, 30./31. Mai
Do–So, 04.–07. Juni
Sa/So, 13./14. Juni
jeweils 11.15–11.45 Uhr
Entdecken, staunen, forschen – für unsere jüngsten
Museumsbesucher*innen ab 3 Jahren. Entdecke mit uns die Welt der
Kristalle – sie ist bunt und voller verschiedener Formen. Hier geht
es zu den Veranstaltungen .
Führungsticket nur für Kinder erforderlich. Zusätzlich zu einem
Führungs- oder Show-Ticket ist ein gültiges Eintrittsticket
erforderlich. Treffpunkt auf Deck 50.
NHM Kids & Co ab 6 Jahren: Kristalle und Edelsteine
Do–So, 4.–7. Juni
Sa/So, 13./14. Juni
jeweils 14.00–14.30 Uhr
Mach dich mit uns auf in die Welt der Kristalle – sie ist
farbenprächtig und voller verschiedener Formen. Entdecke in unserer
Schausammlung spitze Bergkristalle und schräge Kalzite und bestaune
den Edelsteinstrauß, der über 260 Jahre alt ist. Kurzführung in der
Schausammlung und Aktivitäten zum Forschen und Selbst-Entdecken. Hier
geht es zu den Veranstaltungen .
Führungsticket nur für Kinder erforderlich. Zusätzlich zu einem
Führungs- oder Show-Ticket ist ein gültiges Eintrittsticket
erforderlich. Treffpunkt in der Eingangshalle.
NHM Open Deck: Kristalle
Sa–Mo, 23.–25. Mai
Sa/So, 30./31. Mai
Do–So, 4.–7. Juni
Sa/So, 13./14. Juni
jeweils 11.45–15.15 Uhr
Im Labor kannst du verschiedene Kristalle kennenlernen, ordnen
und selbst bestimmen und aus bunten Magnetformen einen Riesenkristall
zusammensetzen. Lass dich vom 260 Jahre alten Edelsteinstrauß
inspirieren und gestalte deine eigenen kleinen „Edelstein“-Blüten.
Hier geht es zu den Veranstaltungen .
Bildmaterial: https://nhm.px.media/share/1773315728U0cnZ0t6gRoN02